Ich bin nach ganz durcheinander und habe aber das Gefühl, dass die ganze OP Geschichte gar nicht passiert ist :)
Ich hatte heute die einmalige Gelegenheit live bei einer Herz-OP dabei sein zu können!
Ich bin um 6:30 aufgestanden…ungefähr 4 Stunden früher als normalerweise! Und es war noch ganz dunkel draußen! :/ Auf jeden Fall habe ich mich dann sehr früh auf dem Weg gemacht..weiß ja nicht, wie lange ich brauche um den Berg hochzuklettern und wie schnell ich das im Krankenhaus finde. Ging alles recht gut, sodass ich ungefähr 20 Minuten zu früh war. Bin dann noch etwas im Krankenhaus spazieren gegangen…Krankenhäuser sind für mich wie Flughäfen. Einerseits total faszinierend, andererseits etwas beängstigend bzw. nicht ganz so erfreulich. Faszinierend weil man selten an den beiden Orten ist…aber mit beiden Orten assoziiere ich auch schlechte Sachen.
Das geniale an dem Krankenhaus ist, dass es auf dem Berghang gebaut ist. D.h. man geht zwar von der Straße aus rein…aber dann ist der lange Gang erstmal gerade…d.h. man geht eigentlich direkt IN den Berg hinein. Ich bin dann mit dem Fahrstuhl bis in den 8. Stock gefahren und bin dann durch die Gegend gelaufen und habe aus dem Fenster Autos…direkt auf meiner Höhe…parken und rumfahren sehen. Tja…durch den langen Gang im Erdgeschoß ist man wohl ziemlich tief in den Berg gewandert…so tief, dass man im 8. Stock genau auf dem Berg ist…schräg!
Bin dann in die Cardiology gelaufen und hab dann auf den Professor gewartet. Die OP hätte um 9 anfangen sollen, wurde aber aufgrund eines Notfalls (schwere Blutungen) verschoben. Also hieß es erstmal warten. Ich wurde so nervös. Ich weiß nicht warum…ich habe mich gestern echt darauf gefreut…aber plötzlich hatte ich Angst…was mache ich, wenn das alles zu viel für mich wird?! In den Zwischenzeit waren wir dann gemütlich OP-Kleidung holen, Schwätzchen mit anderen Chirurgen gehalten, gemütlich durch die Gegend gewandert und ungefähr 15 Minuten auf den blöden Fahrstuhl gewartet (für 3 Stockwerke…)…wir hatten ja Zeit! Ich wurde doch tatsächlich als Krankenhaus Personal angesehen…wurde sogar nach was gefragt :D
Dann wurde der Fall erklärt…ältere Frau, verkalkte Aortenklappe, die entfernt und durch eine künstl. Xenograft-Freestyle Herzklappe ersetzen werden soll. Ich glaub, die Herzklappe war vom Ochsen oder vom Schwein. Auf jeden Fall soll die OP sehr interessant sein, da es eine neue Art von Herzklappe ist. Freestyle, d.h. keine künstl. Stützstruktur und neu, da das Annähen einfacher sein soll als bei normalen Freestly-Herzklappen. Beim Durchgucken der MRT Bilder hat der Chirurg entdeckt, dass die Frau nur eine Koronararterie hat. Die teilt sich dann und der rechte Teil versorgt dann die rechte Herzhälfte (eigentlich hätten es zwei…links und recht…Koronararterien geben sollen!). Aber trotz dieser Anomalie, die anscheinend bis dahin auch unerkannte bliebe, waren die Koronararterien richtig gut erhalten (fresh and juicy…wie der Chirurg es erklärt hat!)
Dann gings Richtung OP-Saal. Auf den Weg noch eine Haube, Schuhüberzieher. Vor einem OP-Saal bleibt der Chirurg stehen und guckt irritiert und fragt wo sein Patient ist…bis jemand ihn darauf hingewiesen ist, dass sein OP-Saal ein Raum weiter wäre :)
Die OP sollte 4-5 Stunden dauern und ich dachte, so eine OP wäre nicht unbedingt ein Routineeingriff…vllt mag er sich vorher noch mal kurz konzentrieren oder so. Aber nee..der quatscht fröhlich mit Kollegen über Hobby, Familie und Autos! Kurz vor Eintritt in den OP Saal noch einen Mund- mit Sichtschutz gekrallt und rein geht’s!
Am Anfang war’s echt etwas komisch. Da lag diese Frau…und gleich wird sie aufgeschnitten! Aber ein Glück wurde alles abgedeckt, Kopf- und Körperbereich durch ein Tuch getrennt. Ich stand am Kopfende auf so einer Erhöhung und konnte über das Trenntuch direkt auf die OP Stelle gucken! Und dann ging’s los. Zuerst wurde ein ungefähr 25cm langer Schnitt gemacht, dann das Brustbein mit einer Säge durchgeschnitten. Und dann mit HF-Elektroden das Gewebe langsam durchgetrennt. Ich war total fasziniert. Man vergisst ziemlich schnell, dass es eine echte Person ist, die da liegt und an der man rumoperiert. Schließlich ist alles abgedeckt. Meine Nervosität verflog dann auch ziemlich schnell und ich fand’s nur noch aufregend! Es waren ungefähr 12 Leute im OP….war ein ziemliches durcheinander war. Anästhesisten, Chirurgen, einer der sich ausschließlich um die Herz-Lungen-Maschine gekümmert hat und ein Haufen OP-Schwestern.
In einer halben Stunde wurde das Herz freigelegt…ein echtes, schlagendes Herz!! Das Herz wurde dann an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und durch Zugabe von Medikamenten wurde das Herz angehalten! Der Bildschirm zeigte 0…nichts! Das ist die einzige Situation, in der ein Mensch ohne schlagendes Herz überleben kann…für ungefähr 3 Stunden! Dann wurde 1 Stunde lang die Aorta aufgeschnitten und die verkalkte Herzklappe entfernt. Dann 1 ½ Stunden lang wurde die neue Herzklappe eingenäht…mit mehr als 50 Fäden. Dann wurde eine halbe Stunde lang alles so weit hergestellt, dass die Patienten von der Herz-Lungen-Maschine gelöst werden konnte. Dann kam der Moment! Das Herz wurde mit Hilfe von provisorischen Herzschrittmachern zum Schlagen angeregt. Der Moment, wo, wenn was schief gelaufen wäre, dass Herz von selbst nicht mehr schlagen würde! Aber…so weit so gut! Dann wurde ungefähr eine halbe Stunde überprüft, ob die Herzklappe auch richtig eingesetzt wurde und ob der Blutfluß normal ist. Bis auf ein minimales Leck (was aber anscheinend normal für die Art von Herzklappen ist) war alles ok. Dann…hieß das Patienten wieder zusammen nähen! Oh man…wie sie das Brustbein zusammengezogen haben. Dann das Gewebe zugenäht und dann war die Arbeit nach fast 5 Stunden für den Chef-Chirurgen vorbei! Das Zunähen der Haut und alles andere wurde vom Assistenzarzt und von den OP-Schwestern erledigt! 5 Stunden im OP….5 Stunden stehend….5 Stunden in denen ich komplett vergessen habe, dass das ein Mensch mit Familie ist…was wäre passiert, wenn die OP schief gegangen wäre!?
Nach der OP sind wir dann noch zu den Familienangehörigen gegangen und um ihnen von der OP erzählt haben! Es besteht zwar eine kleine Gefahr, dass noch etwas in den nächsten Stunden passieren wird…aber im großen und ganzen kann man sagen, dass die OP erfolgreich war!
Das war echt ein Erlebnis. Der Chirurg sah danach so müde aus. Da wird einem erst klar, wie viel Verantwortung ein Chirurg trägt. Ich fand’s unheimlich interessant, aber ich bin froh, mir nicht das für den Rest meines Lebens ausgesucht zu haben.
Aber jetzt weiß ich, eine OP, ein Krankenhaus…es ist nicht so glamorös und dramatisch wie im Fernseher es immer aussieht :)
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